Kolumne: „Autistin? Nein, Du doch nicht!“ – Autismus und Kompensation

Immer wieder erreichen mich Nachrichten von Eltern, die davon berichten, dass ihren Kindern die Diagnose abgesprochen wird. Sie seien doch keine „richtigen“ Autisten. Das hört man sowohl von Familie, Freunden, Bekannten, wie auch von Fachleuten, die die Kinder zum Teil nur wenige Stunden pro Monat erleben und dies auch nur in einem separierten Umfeld.

Für Autisten und die gesamte Familie ist es schlimm, wenn Diagnosen abgesprochen werden und damit bagatellisiert und manchmal vollkommen verneint wird, was das Leben mit Autismus insgesamt bedeutet. Unter anderem fordert das Funktionieren und Angepasstsein in gewissen Situationen sehr viel Kraft und es ist fatal, von einer Situation automatisch auf eine andere zu schließen.

Ich trat mit diesem Thema an Birke heran und bat sie, etwas dazu zu schreiben, denn sie als Autistin kann die  Zusammenhänge viel besser erklären. In ihrer offenen und warmherzigen Art und Weise schildert sie ihre ganz eigenen Anpassungs- und Kompensationsstrategien. Vielleicht helfen ihre Erklärungen weiter, Verständnis (im Sinne von Verstehen) bei anderen Menschen zu bewirken.

***

„Autistin? Nein, Du doch nicht!“ – Autismus und Kompensation

Kolumne von Birke Opitz-Kittel

Beim Nachdenken über das von Silke geschilderte Thema wurde mir bewusst, dass ich tiefe Einblicke in mein Seelenleben geben muss, um aus meiner Sicht etwas dazu zu schreiben. Aber wenn es hilft, auch nur ein autistisches, „unauffälliges“ Kind besser zu verstehen, dann nehme ich das in Kauf.
Vorab: dies ist meine persönliche Geschichte. Andere Autisten und insbesondere die, die schon länger ihre Diagnose haben, werden wahrscheinlich andere Möglichkeiten der Kompensation gefunden haben. Jeder von uns zahlt für die Anpassung einen anderen Preis und niemandem, wirklich niemandem, steht es zu, diesen zu beurteilen und möglicherweise für bezahlbar zu halten.

Ich habe meine Mutter mit zwei Jahren verloren und damit den letzten Rest an Sicherheit und Geborgenheit, den ich bis dahin wahrscheinlich kannte. Sie starb nicht, aber sie ging und überließ mich einem völlig überforderten Vater, der sich eine Frau suchte, deren Spezialität es jedenfalls nicht war, mit Kindern umzugehen.

Meine erste Lektion, an die ich mich erinnere und die lange mein „Mantra“ war: Es kommt niemand, wenn du weinst. Es kommt auch niemand, wenn du schreist. Niemand hilft dir, du musst dir selbst helfen, dich anpassen, wenn du überleben willst.
Das klingt drastisch, aber es war so. Niemand sah meine Not und sehr wahrscheinlich konnte ich mich auch nicht richtig äußern.

Aber ich war nicht dumm und so lernte ich schnell, was ich tun muss, um nicht geschlagen oder ausgelacht zu werden.
Ich bin nicht in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen – meine Eltern nahmen mich mit ins Ausland und dort in die besten Restaurants und ich lernte schon als Vorschulkind Kenia, Thailand und weitere Länder kennen. Die Grausamkeit kam in anderer Hinsicht, nämlich, wenn man mir damals, vielleicht mit fünf Jahren, eine Seezunge vorsetzte und sich köstlich darüber amüsierte, dass ich sie nicht filetieren und aufgrund der Gräten auch nicht essen konnte und hungrig vom Tisch aufstand.

Allerdings lernte ich so eine zweite wichtige Lektion: beobachte und lerne! Schau dir an, wie andere Menschen es machen, bringe es dir selbst bei und tue alles, um nicht hungern zu müssen oder geschlagen zu werden.
Daraus wurde mein – neben weiteren – liebstes Spezialinteresse: das Verhalten anderer Menschen beobachten, analysieren und kopieren.
Früher las ich Bücher über Bücher – wunderte mich aber, weshalb ich die Menschen in den Büchern verstand, aber ein menschliches Gegenüber nicht. Heute weiß ich, dass man in Büchern auch die Gedanken der Menschen schildert – wenn mir ein Mensch gegenübertritt habe ich meist überhaupt keine Ahnung, was er denkt. Auch ein Lachen kann nett gemeint sein, aber vielleicht geschieht es aus Verlegenheit, oder man lacht mich aus.

Mit den Jahrzehnten lernte ich immer mehr dazu. Wieder teilweise daraus, dass man über mich tuschelte. In der Bank, in der ich arbeitete, bemerkte man schnell, dass ich die Regel „Businesskleidung“ zwar einhielt, aber es dauerte einige Zeit, bis ich begriff, dass man Kleider auch dann nicht mehr trägt, wenn sie sauber sind, sondern man sich täglich etwas Anderes anzieht.
Diese Regel habe ich bis heute nicht verstanden, aber ich merke mir inzwischen, was ich an welchen Tagen anhatte, um diese ungeschriebene, für mich unsinnige Regel nicht mehr zu brechen. Meinetwegen hätte ich auch nur ein oder zwei Paar Schuhe, aber auch das wird in bestimmten Kreisen nicht geduldet, beziehungsweise es wird negativ Notiz davon genommen.

Irgendwann kam das Fernsehen hinzu, um mich in meinen Fertigkeiten zu schulen – als Kind durfte ich nicht fernsehen. Müßig zu erwähnen, dass dies nicht zu meiner Integration beitrug. Ich konnte über keine Sendung mit anderen Kindern sprechen, aber ich bin mir auch nicht sicher, ob das etwas daran geändert hätte, dass man mich von der ersten bis zur zehnten Klasse gemobbt und gehänselt hat.
Ich verstand die Beziehungen der Kinder untereinander nicht und egal was ich tat, ich gehörte nicht dazu.

Nehmen wir einfach mal an, die Lehrer hätten es nicht bemerkt. Wahrscheinlich war es ihnen schlichtweg egal, denn ich war eine gute Schülerin, ohne überhaupt zu lernen. Der Grund dafür war, dass ich die strengen Regeln der Schule liebte, man ganz einfach eine Anwort auf eine Frage gibt (kein Smalltalk) drumherum, die Lehrer sich mit einem „Guten Morgen“ zufriedengeben und nach der Stunde einfach gehen, ich sehr wissbegierig bin und das Wichtigste: alles war besser als mein Zuhause. Wenn Unterricht ausfiel, waren alle Kinder glücklich…nur ich nicht, davon abgesehen, dass mein Tagesplan unterbrochen wurde.

In dieser Zeit war es mein Teddy (ja, auch noch als Teenager, es darf gelacht werden), dem ich alles erzählte und der mich nie verpetzte.
Und die Nächte. Ich stellte mir oft den Wecker auf 3:00 Uhr und blieb zwei Stunden wach. Es war so schön dunkel (schon damals mochte ich keine Sonne, fühlte mich geblendet und tat alles, um im Haus zu bleiben, was nicht schwer war, denn ich hatte eh die meiste Zeit Hausarrest), ruhig und ich konnte mir einbilden, ganz alleine auf dieser Welt zu sein.
Diese ruhigen Nächte waren es, die mich haben atmen lassen – und meine Bücher.

Zu dieser Zeit schrieb ich Tagebuch und richtete meine „Briefe“ an Anne Frank. Für mich als kleines Mädchen kam nur sie mit ihren Erfahrungen an das heran, was ich täglich fühlte – Außenseiterin sein, der jeder weh tun durfte.
Heute ist es so, dass ich mich immer noch nicht zur Menschheit zugehörig fühle, zumindest nicht zu den meisten. Aber ich weiß inwischen, dass ich nicht alleine bin und alleine deshalb bin ich für die Diagnose sehr dankbar.

Mit den Jahren lernte ich immer mehr, meine Maske zu verbessern. Sie ist inzwischen so gut, dass die allermeisten Menschen sich davon blenden lassen.
Es ist im Prinzip auch ganz einfach: man muss auf die Kleidung achten (hilfreich ist da ein Teenager wie meine Tochter, der sich mit aktueller Mode auskennt), diese auch regelmäßig wechseln und vor allem nicht ungeschminkt aus der Tür gehen und das Wichtigste: lächeln! Inzwischen ist das für mich regelrecht zum Ritual geworden.
Zuhause trage ich meine „Zuhausekleidung“, wovon ich nicht viel habe und brauche und wenn ich rausgehe, male ich mir meine perfekte Maske auf und schalte in den Überlebensmodus.
Das ist nicht übertrieben und manchmal merke ich schon vorher, dass ich der Welt nicht gewachsen bin und sage Termine ab. Auf keinen Fall würde ich es nochmal riskieren, so ausgelacht und ausgegrenzt zu werden, wie es als Kind geschah und womöglich noch in einen Overload zu geraten. Meistens muss ich mich zu den Terminen zwingen.

Paradoxerweise möchte ich zur Gesellschaft gehören, auch wenn fälschlicherweise oft angenommen wird, dass Autisten keine Freunde wollen und brauchen. Nein, das stimmt nicht – sie wissen oft nur nicht, wie man eine Freundschaft aufbaut und vor allen Dingen erträgt.
Eine Freundschaft behinhaltet so viele Regeln und ehrlich – ich bin noch nicht dahinter gestiegen. Es funktioniert nur, wenn man akzeptiert, dass ich nur unregelmäßig zur Verfügung stehe und mich selten von mir aus melde – auch wenn ich merke, dass ich mich freue, wenn mich beispielsweise Silke anruft. Aber das Bedürfnis nach Kontakt meldet sich bei mir selten oder ich habe noch nicht gelernt es zu identifizieren.

Das ist der nächste wichtige Punkt: ich schaffe es nicht immer deutlich zu machen, dass mir eine Situation zu viel wird. Ich halte aus und halte aus, weil man das früher von mir verlangt hat und ich mir heute auch oft nicht gestatte zu gehen, bevor es zum Overload führt und es tatsächlich auch nicht bemerke, dass es mir zu viel wird.
Natürlich – nach außen wirkt das toll.
Wie oft höre ich, dass es anderen Menschen ähnlich mit Licht oder Geräuschen oder noch ganz anderen Sachen geht.
Es ist wirklich zum Verzweifeln und ich kann es nur so erklären, wie ein autistischer Freund es immer erklärt: Man muss sich ein Mosaikbild vorstellen, aus ganz vielen kleinen Steinchen. Ein paar Steine (autistische Züge) hat jeder Mensch, aber es braucht eine gewisse Anzahl, bis man das Bild erkennt. Dabei haben alle Autisten ganz unterschiedliche Steinchen, jeder ist verschieden. Bei manchen ist das volle Bild sofort deutlich, bei anderen muss man genauer hinsehen – aber genau diese laufen Gefahr, übersehen zu werden.

Der Preis dafür ist hoch.
In meinem Fall ist es so, dass ich – wie schon beschrieben – nicht aus dem Haus gehe, wenn ich das Gefühl habe, die Maske nicht aufrecht erhalten zu können. Das kann auch mal wochenlang sein und dann gehe ich auch nicht ans Telefon.
Andererseits halte ich einige Dinge lange aus, wie beispielsweise einen Elternstammtisch. Ich möchte ja nicht, dass man annimmt, dass die Mutter meiner Kinder irgendwie „verrückt“ ist. Dann zwinge ich mich, durchzuhalten und ich möchte wetten, dass nicht einer der anderen Teilnehmer merkt, wie es mir innerlich geht. Danach gehe ich in mein Schlafzimmer, das eh immer abgedunkelt ist – genauso wie mein Wohnzimmer. Es dürfen keine Geräusche mehr zu hören sein und manchmal brauche ich Tage, um mich zu erholen.
Manchmal ist das Gefühl der Überreizung so schlimm, dass ich Tavor nehmen muss. Tavor ist eh etwas, ohne das ich nicht zum Arzt gehe – überhaupt bin ich auf Medikamente angewiesen, denn ohne schlafe ich nicht.
Den Wecker muss ich mir schon lange nicht mehr stellen; nehme ich nichts, bin ich nach ewig langer Einschlafphase schon nach zwei Stunden wach, mein Kopf kommt einfach nicht zur Ruhe. Dialoge werden immer und immer wieder durchgespielt und ich kann nicht anders, als zu überlegen, ob ich die richtige Anwort auf Fragen gegeben habe.

Es gibt so viele Möglichkeiten…Bis ich überhaupt erstmal gemerkt habe, dass man nicht immer auf jede Frage antworten muss! Auch das habe ich von den vielen Filmen gelernt, die ich mir immer in Hinblick darauf ansehe, wie andere Menschen auf bestimmte Situationen reagieren. Schon oft saß ich völlig perplex vor dem Fernsehen, weil mir eine Reaktion völlig fremd war. Gefiel sie mir, habe ich sie in mein Repertoire aufgenommen. Überhaupt ist es so, dass ich auf andere so reagiere, wie ich es in meiner Situation tun würde oder wie ich es schon einmal erlebt oder gesehen habe. Dabei geschieht nichts, ohne dass ich darüber nachgedacht habe. Andere Menschen scheinen intuitiv zu handeln – das ist mir fremd.

Mir ist bewusst, dass ich das Glück habe, gute kognitive Fähigkeiten zu besitzen und kompensieren zu können. Manchmal ist das aber auch ein Unglück, nämlich dann, wenn man von mir Dinge als selbstverständlich voraussetzt, die ich nicht leisten kann und die mir niemals Freude bringen würden.
Der Abi-Ball beispielsweise. Im Nachhinein erfuhr ich, dass man mir einen Preis geben wollte, weil ich mit fünf Kindern das Abitur nach 20 Jahren aus der Schule und mit Auslassen der 11. Klasse bewältigt habe. Innerlich brach mir bei diesem Gedanken der Schweiß aus, denn es hätte keine größere Strafe geben können als diese Preisverleihung. Nach außen lächelte ich, als man mir das erzählte. Alles okay. Niemand hat etwas von meinen Gefühlen bemerkt.

Abschließen möchte ich mit einer kurzen Konversation, die ich mit einem autistischen Freund führte. Ich erzählte ihm, dass ich mich im Leben oft wie in einem Spiel fühle, dessen Regeln ich nicht kenne – aber alle drumherum tun es und es ist auch kein Spiel, denn es geht um das Überleben.
Weiterhin habe ich das Gefühl, ständig schauspielern zu müssen, denn mein „wahres autistisches Ich“ wird einfach nicht akzeptiert.
Er beruhigte mich. „Birke“, sagte er, „die NT´s schauspielern auch. Sie wissen es nur nicht!“

 

***

Birke

Birke Opitz-Kittel
Studentin Bachelor of Laws
in Ausbildung zur Psychologischen Beraterin
ehrenamtlich im Vorstand von autismus Mittelfranken e.V.
leitet die Selbsthilfegruppe Autark
Mutter von fünf Kindern, ein Asperger-Autist
selbst Asperger-Autistin

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

11 comments

  • Zarinka

    Als ich noch jünger war, hatte ich oft das Gefühl auf einer „Theater-Bühne zu stehen“ und eine Rolle spielen zu müssen, die mir überhaupt nicht zusagte und die mir auch in keinster Weise gefiel.

    Zu einer Gesellschaft, die sich hinter einer Maske regelrecht versteckt, wollte ich nie gehören…gehöre da wohl eher zu den wenigen Menschen die keine Freunde brauchen und wollen.

    Irgendwann habe ich dann beschlossen diese „Bühne“ zu verlassen und meine (von anderen Menschen zugedachte…spielen zu müssende) Rolle abzulegen…und erst von diesem Zeitpunkt an habe ich dann gemerkt, wie gut es mir tat mich endlich frei bewegen zu können.

    Ja, ich sehe es ähnlich wie hier bereits erwähnt…“NT´s“ schauspielern auch…doch sie bestimmen leider auch, Wer Welche „Rolle“ in diesem „Theater“ zu spielen hat…Sie führen leider auch Regie.
    Ich persönlich bezweifele daher dass sie es nur nicht wissen…vielleicht wollen sie es einfach nur nicht wahrhaben.
    (Jetzt mal nur so ein Gedanke von mir, zu dieser Sache.)

  • Liebe Birke, vielen Dank für deinen sehr persönlichen Beitrag, du sprichst mir damit in vielen Punkten aus der Seele.

    Es ist wirklich schwer, sich den subtilen und oft unausgesprochenen Erwartungen zu beugen, die man als Autist nicht versteht – und oft auch gar nicht erkennt. In deinen Beispielen kann ich mich gut wiederfinden. Ich habe es z.B. auch nie verstanden, warum man seine Kleidung öfter wechseln soll als nötig. Die rationalen Argumente sprechen für mich klar dagegen, denn je öfter man sich umzieht, desto öfter muss man seine Klamotten waschen, desto höhere Energiekosten hat man, desto höher ist die Umweltbelastung usw.

    Zum Glück arbeite ich einem Beruf, wo ich keinen Kundenkontakt habe, da sind die Bekleidungsvorschriften nicht allzu streng. Aber ich weiß natürlich, dass es in bestimmten Branchen sehr extrem ist. Mit Regeln, die rational gar nicht nachzuvollziehen sind; denen man sich beugen kann oder auch nicht, die man aber nicht wirklich verstehen kann.

    Genauso wenig kann ich es verstehen, warum es vielen Menschen so wichtig ist, sich ständig anzulächeln und anzugrinsen, auch wenn einem innerlich nicht danach zumute ist. Niemand kann immer nur entspannt und glücklich sein (das wäre vollkommen unrealistisch), aber offenbar ist es vielen (nicht-autistischen) Menschen wichtig, sich einen solchen Zustand ständig zu suggerieren. Das verstehe, wer will.

    Wir leben anscheinend in einer Schauspielgesellschaft und die meisten (Nicht-Autisten) scheinen dieses Spiel kommentarlos mitzuspielen – aus purer Angst vor Ausgrenzung und Isolation. Mir ist es auch wichtig, dazuzugehören und meinen Platz in der Gesellschaft zu finden, aber nicht um jeden Preis – und schon gar nicht um den Preis, dass ich dabei ständig über meine Kräfte oder sogar gegen meine innere Überzeugung gehen muss.

    Und das Gefühl, dass man sich als autistisches Kind oft nur aus Druck und aus Angst vor Strafen anpasst (ohne die Sinnhaftigkeit bestimmter Regeln verstanden zu haben) kenne ich leider auch sehr gut. Mit all den traumatischen Folgen, die ich bis heute nicht vollständig überwinden konnte.

  • Freitag

    Ich habe bei meinen zwei autistischen Kindern bis heute im erwachsenen Alter versucht, sie so zu nehmen, wie sie sind. Sie sind liebenswerte Persönlichkeiten! Dabei habe ich erst sehr spät (mit ihrem 17. bzw. 18. Lebensjahr) erfahren, dass sie besondere Kinder mit einer autistischen Persönlichkeit (Canner und Aspie) sind: auch wenn es nicht immer einfach für sie und für mich war. Meistens brachte auch die Umwelt nicht so viel Verständnis auf – Menschen können mit Blicken und Worten, und Taten, wenn bei ihnen etwas nicht der sogenannten „Norm“ entspricht, sehr viel Schlechtes anrichten! Leider: und so ist es auch mit ABA, welches das Schlimmste für einen Autisten ist. Wir brauchten keine Festhalte“therapie“! Das ist keine Therapie, sondern Folter!

  • Bernhard Rasche

    Danke.

  • Anthea

    Es ist so unglaublich respektlos, einerseits die Diagnose abgesprochen zu bekommen und andererseits ausgelacht zu werden.
    Meine Kindheit verlief relativ ruhig, erst ab der Pubertät fiel mir auf, dass was nicht stimmt.
    Auch mir wurde vieles nicht beigebracht, erst hiess es: Du bist zu klein dazu und später: Das solltest du jetzt aber langsam mal können…
    Wie du habe ich vieles durch abschauen gelernt und mich getarnt.

    Ich habe keinen Bock zu dieser Gesellschaft zu hören und ich weigere mich Businesskleidung zu tragen, auch Schminke gibt es in meinem Gesicht nur selten und ganz bestimmt nicht, weil das angeblich dazu gehört.

    Grad wir Frauen können das Maskieren und Vorspielen ja meist so gut, dass Leute, wenn sie von unserer Diagnose erfahren, aus allen Wolken fallen. Ja, die NT schauspielern auch, sie müssen sich danach nur nicht ewig erholen.

    Bei mir ist es auch noch so, dass ich ein Plappermaul bin und gerne im Mittelpunkt stehe – ich bin unglaublich witzig und schlagfertig, wenn die Laune und die Umstände stimmen.

    Ich bin ebenfalls eine Asperger und seit ich mit über 40 endlich die Diagnose erhalten habe (vorher emotional-instabile Persönlichkeitsstörung), gefällt mir meine Welt noch etwas besser.

  • Bergfex

    Die „Show“ mitspielen … kostet unglaublich Energie, die anderswo wieder fehlt. Selber Asperger-Autistin, Sohn ebenfalls, jetzt 20 Jahre alt. Keine Ahnung, wie es bei ihm weitergehen kann.
    Danke für solche Artikel, jedenfalls weiß man, dass man nicht die einzige Person ist und insofern gewinnt man an „Normal-ität“.
    Es fehlt an beruflichen Perspektiven. Auticon usw. sind ja nur für integrationsfähige Autisten mit IT-Ausbildung. Und die anderen?
    Von was soll mein Sohn einmal leben?
    Und ich, wenn die Energie für diese Show nicht mehr reicht?

  • Chantal Saul

    Danke für diesen Beitrag, und den Mut, mit deiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass sogenannte „Fachleute,“ sich anmaßen, Autismus zu diagnostizieren, oder Autismus abzuerkennnen. Insbesondere trifft das vor allem auch Institunionelle Strukturen wie beispielsweise das Landesamt für soziale Dienste, die Gesundheitsämter, sowie weitere medizinische und psychiatrische Dienste, die oftmals an wichtigen Schaltstellen sitzen und über das weitere Leben der Betroffenen entscheiden. Leider verfügen sie häufig nicht über fachpraktische Erfahrung mit Menschen aus dem Autismusspektrum. Das heißt, sie greifen auf theoretisches Wissen zurück, dass sie erlesen haben, oder bestenfalls in Weiterbildungen vermittelt bekommen haben. Erlesenes Fachwissen, oder der Besuch von Fachseminaren, reicht nicht aus, um Menschen mit Autismus zu diagnostizieren. Es ist wichtig, dass Fachleute, wie Psychiater, Psychologen, Heilpädagogen und weitere, mit Menschen aus dem Autismusspektrum arbeiten und Verhaltensweisen von Menschen mit Autismus erfassen und hinterfragen, die ja sehr häufig zur Kompensation dienen. Und schlimm ist, wenn Menschen mit Autismus die Möglichkeit zur Kompensation genommen wird. Die Bandbreite von Autismus ist enorm, und Autismus ist sehr unterschiedlich. Wie im Beitrag erwähnt, die Strategien ebenfalls. Die Konsequenz für Betroffene ist weitreichend. Massisve Selbstzweifel, Rückzug, ständige Überforderung. Daraus resultierend Depressionen, Suizidgedanken- und Versuche, sowie Zusammenbrüche. Aufgrund von Fehldiagnosen und Mangel an Wissen, über das Verhalten von Menschen mit Autismus, werden diese besonderen Menschen mit ihren Ressourcen verkannt und nicht inclodiert. Natürlich ist in den vergangenen Jahren einiges passiert, aber es passiert langsam. Oft genug fehlt es noch immer an Akzeptanz, Begleitung und Unterstützung im Alltag und vor allem auch an Wertschätzung.

  • dieKatha82

    Ja, ich kann das auch mit dem kompensieren,obwohl ich
    meine Mutter hatte, die sich gut um mich kümmerte, und ich, auch eine frühe Diagnose erhielt – und ich schäme mich dafür, weil es bei dem einen oder der anderen hier nicht so war. Es tut mir Leid für dich @Birke und die anderen hier. Und auch tut es, mir Leid und auch weh, dass du ein solch krasses Elternhaus hattest – ich wünschte, es wäre anders gewesen.
    Und Auch, wenn es dir wahrscheinlich nicht hilft: du bist auch ohne schminke eine ganz wertvolle, wunderbare Frau, und danke für diesem Beitrag!

    Meine persönlichen Kompensationsversuche waren (und sind) allerdings sehr stümperhaft. schminken tue ich mich nur zu bestimmten Anlässen, und dann will ich das auch. Aber niemals deshalb, um einer solchen Gesellschaft, wie wir sie haben, zu gefallen.

    Auch ich habe durch Beobachten ein stückweit gelernt, aber wenn ich heutzutage rausgehe, weiß ich fast genauso wenig wie damals, wie ich den Leuten auszuweichen habe – und heute morgen hat mich ein Junge auch böse angeguckt, weil ich nicht wusste, wie ich einem Auto ausweichen musste. Solche Erfahrungen tun immer wieder weh :(.
    aber ein wirkliches kompensations- und Schauspieltalent bin ich halt auch nicht, im Gegensatz zu den meisten Frauen – und das tut mir auch wiederum weh, ich möchte gerne eine vollwertige Frau sein …

    Auf der anderen Seite bemühe ich mich seit 2008, als ich in die Asperger-Selbsthilfegruppe auch nicht mehr so doll darum. und das Paradoxe ist: ich komme nicht schlechter als vorher mit den Menschen klar, eher im Gegenteil :).

    klar, manche Regeln wie z.b. saubere Kleidung und so sind wichtig, und da halte ich mich natürlich schon dran. das ist mir auch selber wie stehe ich, also gepflegt zu sein.
    auch möchte ich schon Sachen anhaben, die zusammenpassen.
    hierbei habe ich aber auch die Scheu verloren, um Hilfe zu fragen – allerdings geht das nur bei engen Vertrauensperson.

    ja, die Ämter werden wohl wirklich oft unterschätzt.
    es tut mir leid, dass sie dir so übel mitgespielt haben@Chantal.
    gerade in einem Amt geht und Kenntnis über Autismus gar nicht, die sind ja sogar gezwungen ein gewisse Anzahl an Behinderten einzustellen, und da sollte KEINE Einschränkung (also egal welcher Art) einfach vernachlässigt werden.

    Stress mit Ämtern höre und lese ich aber leider immer wieder von anderen Autisten – und ebenso Diagnoseabsprechung von sämtlichen Instanzen.

    LG
    Katha

  • IAn Holler

    HAllo Birke, dieser Beitrag spricht mich sehr an, ich habe eien Hirnschädigung, mit Entwicklungsstörungen und autistischen Zügen. ICh kenne das gut, das ich denke man muss alles erklären, so wie Du das über Filme schreibst mit den ANtworten ICH schaue auch viele Folme, um was daraus zu lernen, denn so subtile Sachenund Ironie vertshe ich gar nicht. ABer wenn ich mal mit jemand mich näher unterhalte, heisst es gleich DUUUU, da spürt amn nichts an, udn das ist os eien 2schneidige SAche. EInerseits bin ich froh, dass nicht jeder was merkt, andererseits ist es sehr anstrengend immer sowas „Normales“ aufrechtzuerhalten. Das strengt furchtbar an und macht müde. ICH brauch dann immer eien ZEit des Alleineseins, wo ich mich dann so zeigen kann wie cih bin. MIt Schaukeln , ich so fühlen zu dürfen, wie ich fühle, nämlich wie ein Kleinkind mit allem was dazugehört. NAtürlich ist man auch erwachsen und will es sein, aber nicht immer alles verstecken müssen. SO langsam lerne ich aber etwas auch zu zeigen, da, wo ich mich sicherer fühle. Das entspannt ungerheuerlich, udn ist lebenswichtig. EInen lieben Gruß an ALle hier.. I.H.

  • Sonja Menhard

    Hallo ihr lieben
    Gerade dieses Thema beschäftigt mich gerade… Mein Sohn wurde mit 16 auf Autismus getestet und bisher kam heraus: aus meinen Aussagen hat er es aber wie er sich gegeben hat hat er es nicht. Jetzt vermuten sie Kompensation und lassen ihn nochmal in ein unstrukturiertes Interview kommen. Dieses standardisierte war vllt zu „schulisch“ und er wusste wie er antworten muss. Von 7 „autismuspunkten“ hatte er nur 3 und die waren die Gestik, sie monotone Stimme und die wenig gegenseitige gesprächigkeit … Also eher Dinge die schwer abtrainiert werden … Naja ich weiß nicht was ist wenn er im freien Interview auch was vorspielt? Dann bleibt alles offen ? Ich will doch wissen was er hat … Ich finde die Abgrenzung gerade zur schizoiden Persönlichkeitsstörung sehr schwer… Es gibt wohl viele falsch und noch mehr nicht diagnostizierte … Ich selbst dachte seit 20 Jahren ich sei schizoid und lasse mich nun auf Asperger testen …Ja, was ist „normal“ und was „normaler“?!! Bei mir merkt nichtmal mein Mann was …
    LG
    Sonja

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.