Formen von Geräuschüberempfindlichkeit

Kürzlich hatte ich auf „Ellas Blog“ einen Beitrag zum Thema „Autismus und Misophonie“ veröffentlicht. Abgegrenzt wurde das Phänomen der „Misophonie“ dabei gegen die Themen „Hyperakusis“ und „Phonophobie“.
Was es damit und außerdem mit einem „Tinnitus“ und einem sogenannten „Recruitment“ auf sich hat, soll nun hier erklärt werden.

ohr2Hyperakusis
Grundsätzlich versteht man unter „Hyperakusis“ eine Überempfindlichkeit gegenüber Schall, der eine normale Lautstärke (unterhalb 70-80 dB) nicht überschreitet.
Auch bei lauteren Geräuschen, die aber eigentlich als noch nicht schmerzhaft empfunden werden (etwa zwischen 85 und 120 dB), reagieren von Hyperakusis betroffene Menschen gereizt, erschreckt und z.B. mit Herzrasen, Schweißausbrüchen und Fluchttendenz.
Die Empfindlichkeit ist vorhanden, ohne dass eine organische Schädigung des Ohrs vorliegt. Selbst leise Geräusche können dabei als sehr laut empfunden werden, obwohl das Ohr eigentlich völlig gesund ist.
Im Gegensatz zur Misophonie tritt die Empfindlichkeit bei einer Hyperakusis bei allen Geräuschen bzw. allen Frequenzen auf.

volumeRecruitment
Auch bei schwerhörigen Menschen kann eine Hyperakusis auftreten. Denn manche hören zwar leise Töne nicht, aber je lauter der Ton wird, desto empfindlicher kann auch das Gehör bei sonst Schwerhörigen sein. Die Empfindlichkeit gegenüber Lautstärke steigt dann überproportional stark an.
Man nennt das Recruitment (= übermäßiger Lautheitsanstieg). Insgesamt können Betroffenen Lautes nicht gut drosseln und Leises nicht verstehen. Diese Regelung funktioniert vermutlich wegen der Schädigung von Haarzellen im Ohr nicht mehr.

Phonophobie
Bei der Phonophobie wird nicht alles als laut empfunden, sondern nur bestimmte Geräusche. Die Töne wirken bedrohlich und rufen Gefühle wie z.B. Angst und Scham hervor – vermutlich, weil die Geräusche mit negativen Erfahrungen verknüpft sind. Manche Geräusche lösen schon Panik aus, wenn sie nur erwartet oder befürchtet werden.

lautsprecherTinnitus
Eine  Hyperakusis wird oftmals von einem Tinnitus begleitet. Bei einem Tinnitus hört man Töne, ohne dass diesen ein konkreter Schall zugeordnet werden kann. Der Ton, den der Betroffene hört, ist objektiv nicht messbar. Es gibt zwar auch einen messbaren Tinnitus, bei dem der eigene Körper einen bestimmten Schall verursacht, dieser tritt aber viel seltener auf.

Erkrankung des Stapesmuskels
Wenn der Stapesmuskel im Mittelohr gelähmt ist oder ganz ausfällt, führt das zu einer Gesichtslähmung, die wiederum bewirkt, dass das Ohr laute Geräusche nicht mehr dämpfen kann.

ohr

Diese Informationen sind sehr knapp gehalten und dienen der Abgrenzung zum Auftreten von „Misophonie“, mit der viele Menschen mit Autismus zu tun haben.

Wenn jemand den Verdacht hat, dass er von einer dieser Formen von Geräuschüberempfindlichkeit betroffen ist, ist es ratsam einen Arzt zu befragen. Es gibt durchaus Möglichkeiten, einige der Überempfindlichkeiten zu behandeln. Voraussetzung dafür ist aber, zunächst die Ursache zu finden und als Patient die physiologischen Zusammenhänge des Hörens zu verstehen. Auch steht eine Geräuschüberempfindlichkeit manchmal in Zusammenhang mit anderen Erkrankungen, die ein Arzt klären und erklären kann.
Nähere Erläuterungen sollten von Spezialisten erfolgen. Also bitte einen Arzt fragen, wenn eines dieser Themen aktuell sein sollte.

***

ohrenMenschen mit Autismus haben oftmals mit einer Misophonie, bei der die Lautstärke des Geräusches nicht entscheidend ist, zu kämpfen – was das bedeutet, habe ich bereits in einem anderen Beitrag beschrieben:

„Autismus und Misophonie“

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One comment

  • Zarinka

    Vor etwa 15 Jahren hatte ich mal einen Hörsturz (ausgelöst durch Stress). Danach hatte ich einige Monate lang mit einem Tinnitus zu tun. Doch irgendwann verschwand dieser dann schlagartig wieder.

    Hyperakusis wurde bei mir ebenfalls schon früh diagnostiziert… Tests haben ergeben dass meine Schmerzgrenze bei 50 db liegt…alles darüber hinaus empfinde ich als schmerzhaft.

    Z.B.Vogelgezwitscher 50 db ist für mich daher nur für eine kurze Zeit erträglich. Kommen dann zusätzlich noch andere Geräusche dazu, z.B. Rasenmäher in 10 Meter Entfernung, dann wird es schon zu viel für mein Gehör.

    Gibt im Laufe des Tages ja so einige Geräusche die auf mein Ohr eindringen, da kommt recht schnell Stress bei mir auf, denn mein Ohr nimmt ja viele (wenn nicht so gar alle) Geräusche gleichzeitig auf.

    Behandeln lässt sich da bei mir leider nichts, das finde ich schon irgendwie schade.

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