Die Sache mit dem Essen – Autismus und die Gourmetküche

Das Thema Ernährung und Essen spielt sicher bei vielen Familien mit autistischen Kindern eine große Rolle. Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass es hier große Unterschiede gibt.
babyBei Niklas waren die Probleme im Baby- und Kleinkindalter größer als jetzt: er hatte aufgrund seiner Hypotonie (Mangel an Muskelstärke) eine sehr geringe Würgereizschwelle. Das führte dazu, dass Vieles von dem, was er als Milch oder Brei zu sich nahm, gleich wieder ausgebrochen wurde. Es war nicht einfach, genug Nahrung in ihn hineinzubekommen.
Auf der anderen Seite wirkte sich die Hypotonie auch auf die Tätigkeit des Darms aus, sprich: der Darm war träge und so brauchte Niklas auch beim Stuhlgang Hilfe, z.B. mit Einläufen. Die Gabe von Milchzucker half zeitweise den Stuhlgang zu normalisieren.

tellerBei uns war es nie großes Thema, was gegessen wird. In der Hinsicht war es schon immer recht unkompliziert und das wissen wir auch sehr zu schätzen, denn ich weiß, dass es in anderen Familien große Diskussionen und Probleme darüber gibt, was gegessen wird, in welcher Konsistenz und Farbe, wann und wie oft usw.
Problematisch war und blieb bei uns immer die Konsistenz, denn Essen wird bis heute geschlungen, selten richtig gekaut und führt dann auch mal zu unangenehmen Schlucksituationen. Andererseits lösen zu breiige Lebensmittel sofort wieder den Würge- und Brechreiz aus. Eine ständige Assistenz und Beaufsichtigung beim Essen ist daher immer noch nötig und wichtig.

Eine Eigenheit, die eigentlich nicht wirklich mit Essen, sondern eher mit der Wahrnehmung über den Mund zu tun hat, ist bei Niklas, dass er alles verspeist: von Pferdeäpfeln, Gras, Erde, Nacktschnecken und Stiften bis hin zur kleinen Glühbirne an Lichterketten. Das ist natürlich weniger witzig und erfordert auch ständiges Beaufsichtigen, denn auch wenn ein verspeister blauer Buntstift abenteuerlich in der Windel anzusehen ist, ist er dennoch ungefährlich.
gluehbirneEin genüsslich zerkautes Glühbirnchen ist dagegen weniger amüsant. Diese Eigenheit hat leider bis heute nicht nachgelassen. Niklas verspürt offenbar einen unwiderstehlichen Drang, wirklich alles über den Mund zu erspüren und zu erschmecken.

farbeZurück zum Essen: Ich kenne Familien, in denen jedes, aber wirklich jedes Essen, blau eingefärbt werden muss, von der Kartoffel, über Fisch bis zum Joghurt. Ich kenne Famlien, in denen alles püriert oder die Lebensmittel absolut akkurat verteilt auf dem Teller liegen müssen, und so weiter – wenn das alles nicht passiert, drohen Wutanfälle, Weinkrämpfe oder andere Krisen.
Ihr kennt sicher noch andere Beispiele oder habt selbst besondere Essenssituationen. Denn dieser Beitrag bietet lediglich einen kleinen Einblick in unseren Essensalltag, garniert mit Pferdeapfel und Nacktschnecke.

Guten Appetit, Ella.

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8 comments

  • Bei uns war es auch schon immer schwierig . Maximilian hat nie von meiner brust trinken wollen als baby. Dann in der Klinik klappte es super mit dem Flaschen Ersatz . Zu hause dann lief es gar nicht mehr so gut wie in der klinik.er trank meist nur wenige ml. Schlief ein und im halbem stunden Takt ging es weiter . Dann kam die breizeit. Das wollte er auch nicht. Schluckte nicht und spuckte es aus. Es hat lange gedauert bis er sich an die breizeit gewöhnte . Genauso war auch der Übergang zur festen Nahrung . Noch heute ( er wird nächsten Monat 4) mag er nur joghurts. Am liebsten könnte es den ganzen tag Joghurt geben. Aber auch nur seine kinder Joghurts und sie müssen im Becher sein . Dürfen nicht umgefüllt sein. Brot isst er auch . Muss aber weiches sein und nur bestimmte Sachen kommen drauf . Mittags isst er gar nicht zu haus und im Kindergarten probiert er gelegentlich

    • Sandra

      Hallo Anett es ist wirklich Wahnsinn mein kleiner ist jetzt 4 Jahre alt und bei uns ist es ganz genauso mit dem Joghurt am liebsten den ganzen Tag und dann auch nur seine zwei Sorten unser kleiner ist nur Brot ohne Rinde und es darf nur gelbwurst darauf sein

  • Marlis Schnyder

    Hallo ich heisse Marlis.

    Ich bin so dankbar, das mal genau über dieses Thema gschrieben wird. Mein Sohn Mario mit der Diagnose frühkindlicher Autismus isst seit er angefangen hat zu essen immer das gleiche. Seine gekochten Speisen die er zu sich nimmt, bestehen meist nur aus Kohlenhydrate (Teigwaren und Pizza) Es gibt gerade ein Gemüse, das er roh ist und das sind Karotten. Ansonsten bin ich dankbar das er gerne Früchte isst. Seit Jahren (er ist jetzt 9) koche ich das gleiche für ihn. Das Unverständnis meines Umfeldes war die ersten Jahre sehr belastend. Heute ist dies nicht mehr der Fall. Ich sehe, das er nach Bedarf isst. Wenn sein Körper Magnesium braucht isst er bis zu 6 Bananen am Tag. Wenn er Vitamine benötigt isst er 3 Wochen lang 3x täglich ein frisches Birchermüesli. Ausprobieren von neuen Lebensmittel ist schwer für ihn und ich müsste ihn dazu nötigen und das mache ich nicht. Sehr schwierig war das letzte Schuljahr. 2x ass er in der Schule. Da die Schule aber nicht selber kocht haben sie das Essen von Krankenhaus das es liefert. Selten bis nie gab es Teigwaren als Beilage und das Essen, das ich mitgab ass er nicht. So kam es, dass er anfing zu fasten. Erst das Mittagessen und dann auch noch das Znüni. Er wollte plötzlich nur noch Zuhause essen das auch bei Ausflügen mit der Familie. Die Einzige die besorgt war über diesen Umstand war ich. Nicht mal die Schulleitung geschweige das Lehrer Team interessierte es. Traurig aber war. Erst als ich intervenierte kam Bewegung in den Umstand. Mit Teacch konnten wir Mario nun wieder zum essen bewegen. Und darüber bin ich sehr froh. Privat isst er immer noch lieber Zuhause. An Geburtstagen nehme ich sein Essen mit. Ja, der Umstand, das in einer Heilpädagogischen Schule kein Augenmerk auf individuelles Verhalten eingegangen wird, gibt mir immer noch zu denken. Jedenfalls erfreue ich mich jedes Mal, wenn er wieder mal was neues probiert und gerne hat. Selten aber in diesen 9 Jahren immer wieder ein Meilenstein für ihn und uns.

  • Zarinka

    Mein Sohn (Asperger) isst erst jetzt wo er um einige Jahre älter ist so hin und wieder auch schon mal was anderes…ansonsten jedoch isst er wie schon von klein auf an…jeden Tag Haferflockenbrei. Und auch ihm musste ich schon recht früh zusätzlich Milchzucker geben da er einige male wegen seiner Darmträgheit ins Krankenhaus musste.

    Nudeln kommen auf seinen Speiseplan zwar hin und wieder auch schon mal vor, aber ansonsten weiß er oft einfach nicht was er sonst so essen könnte. Da er alleine lebt und mittlerweile auch einer Arbeit nachgeht, fällt das Kochen bei ihm recht oft aus…und dann gibt es halt wieder Haferflockenbrei bei ihm. Aber Brot isst er auch des öfteren ganz gerne.

    Dennoch versucht er immer wieder (mit seinem Betreuer/seiner Betreuerin) etwas Abwechselung in seinem Essens Alltag hinein zu bekommen.

    Mir persönlich (ebenfalls Asperger) geht es da ganz ähnlich…ginge es nach mir alleine, würde ich überhaupt nicht (essen) kochen. Essen ist seit je her für mich persönlich eher eine lästige Pflicht…aber natürlich weiß ich dass es ganz ohne Essen nun einmal nicht geht. Das ist mir völlig klar.

    Jedoch muss ich genausten darauf achten was ich an Nahrung zu mir nehme…vieles kann ich einfach nicht essen und einige Sachen vertrage ich auch gar nicht. Entweder bekomme ich Probleme mit meinem Darm (einhergehend mit heftigen Bauchschmerzen) oder aber ich bekomme im Mundraum intensive Probleme…Brennen auf der Zunge…Brennen im Rachenraum…und zudem wundes, brennendes Zahnfleisch.

    Nudeln vertrage ich jedoch immer gut, daher esse ich ebenfalls fast jeden Tag Nudeln. Gewürze vertrage ich nur sehr wenige und Salz mag ich überhaupt nicht…kann Salzgeschmack im Mund einfach nicht ertragen.
    So salze ich insgesamt mein Essen nur sehr sparsam…mein Mann salzt und würzt sich sein Essen aus diesen Grünen immer so um einiges nach. Mein Essen sei ihm zu fade sagt er immer.

    Was mir jedoch ebenfalls noch wichtig ist: ich esse nur mit „meinem bestimmten“ Besteck (für mich ist es wichtig wie es sich in der Hand und besonders im Mund anfühlt.) Wenn das nicht stimmig passt, dann kann ich damit einfach nicht essen.

    Auch ein bestimmter Teller ist für mich sehr wichtig…manche Teller verursachen für mich ein unangenehmes Geräusch wenn ich mit dem Besteck auf diesem hantiere. Andere aus meinem Umfeld können dies zwar oft nicht nachvollziehen, meine Familie jedoch kann damit gut umgehen und fragt immer ob dieser Teller oder dieses Besteck jetzt das richtige ist…sie selbst sehen da nämlich oft gar keinen Unterschied…ich jedoch schon.

  • Melanie

    Hallo ich bin Mama eines 8 jährigen frühkindlichen Autisten.
    Das Thema Essen zieht sich bei uuns hin seit ich denken kann. Es geht los bei bestimmten Tellern und trinkflaschen bzw. Becher.
    Wenn es nicht seine Gabel ist isst er schon mal gar nichts. Es ist absolute glücksache, ob das essen die richtige festigkeit oder das richtige aussehen hat. Das variiert von Tag zu Tag. AIch wechseln die Nahrungsmittel in unregelmäßigen Abständen. Zum Beispiel gab es wochenlang nur Nudeln. Trocken ohne Soße. Nur mit Salz. Dann gibt es wieder Fleisch.
    Ausserdem ernährt sich Samuel hauptsächlich von Kaba. Schokolade gibt es zur schnellen EnergieLieferung. Lange Zeit dachten mein Mann uns ich dass er auf Dauer Mangelerscheinungen entwickeln würde. Aber dank unseres Kinderarztes sehen wir es mittlerweile etwas gelassener ( das geht aber auch nicht immer……). Anscheinend ist es aber wirklich so, dass sich der Körper holt, was er gerade braucht.

  • Editha Zimmermann

    Hallo Ihr Lieben,

    bin so dankbar für eure beiträge. Mein Sohn 16 Mutist und Selektiver Autist isst auch immer das selbe. obwohl es im moment recht abwechslungsreich ist (Schnitzel mit so viel Pfeffer (ist kaum zu essen für mich), gelbes Fleisch (Hähnchen in Curry gebraten), Frikadellen in Paprikasoße und Rinderrouladen mit Kartoffeln, jeden Tag 4-6 Gurken als Gurkensalat,und Pfannkuchen mit Apfelmus. Bei meinem Exmann isst er Spagetti mit Soße und Gulasch mit Kartoffeln, ich darf das nicht kochen denn bei mir schmeckt es nicht so wie bei Papa da die Luft ja auch anders ist bei mir wie bei Papa. Was für mich sehr schwer war ist das alle anderen immer und immer wieder sagten das er nur Krütsch ist. Und ich durch greifen muss. Dieses Unverständnis machte mich oft mehr fertig als alles andere. Dass mein Kind so wie er ist ein wundervoller Mensch ist und mir oft Sachen zeigt, die ich übersehe und doch so wunderschön sind. Aber von den Menschen ausserhalb des Hauses oft nur meckern und es nicht verstehen. Sie müssen es ja auch nicht verstehen nur akzeptieren, dass er anders ist…. das wäre schon für alle unsere Kinder ein so toller Erfolg…..

    sorry für die schreibfehler und dad durch einadner mit groß und klein schreibung….
    euch allen einen wunderschönen Tag noch… Editha

  • IAn Holler

    Bei mir war das mit dem Essen als Kind auch schwierig, Ich konnte nur Flüssig bis Breinahrung aus der Flasche trinken, bis 4 JAhre. MEien Mutter erzählte mir auch, dass ich alles ausgespuckt, b.z.w auch mit Kampf nihct aufnahm. In der Flasche konnte dann alles püriert sein. Später fing ich dann schon an zu essen, aber kein Fleisch, was man serh kauen musste, oder wo FEtt dran war. Auch bevorzugte ich als Kind dann grüne Löffel und Schälchen, wo ich drauf ass. HEute ess ich schon ausgewogen, und koche mir selbst, aber die KOnsistenz ist sher wichtig. Es darf nicht schleimig oder KLibberig sein, auch manche Sossen sehen so aus, das ich sie nicht esse. ICh koche keine Sossen. DIe Erfahrung, dass sich der Körper schon holt, was er braucht, mach ich auch, wenn ich ihn lasse, denn mal isst man mehr davon, und mal davon, aber die Blutwerte sind gut.

  • Elsa v. R.

    Mein Sohn (21 Monate) will überwiegend nur püriertes und morgens und abends seine Flasche. Wenn es nach ihm ginge, dann gäbe es den ganzen Tag Quetschbeutel. Zum Glück gibt es diese auch nur mit Gemüse 😅
    Wasser trinkt er wenn überhaupt nur aus dem Glas, ansonsten nur Säfte mit Wasser verdünnt aus der Flasche. Stückchen und Co werden entweder verweigert oder er würgt dabei und übergibt sich dann. Kekse, Bananen und Riegel werden ab und an mal in die Hand genommen, er beißt mittlerweile auch davon ab, aber alles muss gefüttert werden.

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